Archiv der Kategorie 'Theorie'

Definitionen von PR

Neben der sich in der Wissenschaft international durchgesetzten PR-Definition von Grunig und Hunt aus dem Jahr 1984 existieren noch eine Reihe anderer Definitionen zum Begriff Public Relations (vgl. Bentele 2003, S. 54; Bruning/ Ledingham 1999, S. 157). An dieser Stelle soll sich auf die kommunikationswissenschaftliche Perspektive von PR-Definitionen beschränkt werden, da sie der PR eine breitere Bedeutung zusprechen, als die betriebswirtschaftlichen bzw. marketingtheoretischen Definitionen (vgl. Fischer 2006, S. 26).

Die auf das Management von Kommunikation abzielende Definition von Grunig und Hunt hat sich, wie fast alle amerikanischen PR-Überlegungen, aus dem organisationstheoretischen Ansatz entwickelt. Weitere auf dem Managementprinzip von PR aufbauende Definitionen finden sich bei Cutlip/ Center/ Broom und Long/ Hazleton. In ihren Ausführungen stellen Sie heraus, dass Öffentlichkeit im Zusammenhang mit Public Relations immer gleichbedeutend mit Teilöffentlichkeiten ist (vgl. Fischer 2006, S. 30). Eine Definition, die mehr auf die Funktion und das Wesen der Kommunikation eingeht und auf den Aufbau und die Unterhaltung von Beziehungen zwischen sozialen Systemen abhebt, stammt von Botan (1992) „Public relations is the use of communication to adapt relationships between organizations and its publics.“ (zitiert nach Avenarius 2000, S. 49). Die Organisation und ihre Öffentlichkeiten werden bei ihm als zweckgerichtete Systeme verstanden. Von ihnen können Ansprüche an die jeweilige Gegenseite ausgehen. Es geht Botan um relationships, Akteure die in einem Anpassungsprozess stehen, der durch Kommunikation bewirkt wird (vgl. Avenarius 2000, S. 49).

Diesen Definitionen von PR-Kommunikation zwischen Organisationen und ihrem gesellschaftlichen Umfeld liegt der Beziehungsaspekt zu Grunde. Andere Autoren, die mehr auf die Absichten der PR und Ihrer Anwender, als auf die Funktionen oder deren Wesen abzielen, sprechen in ihren Definitionen die Persuasion, das überzeugen von irgendwen durch Kommunikation an. Vertreter dieser Sichtweise sind Ronneberger und Rühl, deren PR-Theorie auf die „evolutionstheoretische Annahme einer funktionellen Differenzierung von Public Relations als persuasive Kommunikation und Interaktion der Gegenwartsgesellschaften“ (Ronneberger/ Rühl 1992, S. 38) aufbaut (vgl. Avenarius 2000, 49ff.). Eine stärker nach außen gerichtete Definition von Meffert (1991) enthält praktische Hinweise und zielt auf die Gewinnung und den Ausbau von Vertrauen und Verständigung für unternehmerisches Handeln: „Unter Public Relations wird die planmäßige, systematische und wirtschaftlich sinnvolle Gestaltung der Beziehungen zwischen Unternehmungen und einer nach Gruppen gegliederten Öffentlichkeit verstanden. Ihr Ziel ist es, bei diesen Teilöffentlichkeiten Vertrauen und Verständnis für das unternehmerische Handeln zu gewinnen bzw. auszubauen.“ (zitiert nach Avenarius 2000, S. 51). Von den meisten der deutschen Wissenschaftler auf diesem Gebiet wird die Formel von den persuasiven Kommunikationszielen der PR favorisiert. Die Begriffe Vertrauen und Verständnis, die bei Meffert aufgetaucht sind, haben ihrerseits wieder definitorische Formeln für die PR hervorgerufen. Die österreichische Schule um Roland Burkart spricht von verständigungsorientierter PR-Arbeit. Von öffentlichem Vertrauen als Basis aller PR-Kommunikation geht der deutsche Wissenschaftler Günter Bentele aus (vgl. Avenarius 2000, S. 51).

Aus Sicht der Kommunikationswissenschaft wird PR als eine Tätigkeit, oder auch als Teil, bzw. Funktion von Organisationen bezeichnet. Darüber hinaus wird sie als Funktionselement innerhalb der Gesamten Gesellschaft definiert. Es lässt sich somit aus organisationsbezogener, kommunikationswissenschaftlicher Perspektive die Frage, nach dem was Public Relations generell für Organisationen leisten, stellen (vgl. Bentele 2003, S. 55f.).

Kommunikationsmodell für PR mit Web 2.0 Instrumenten

Dieses Modell soll die Kommunikationsbeziehung zwischen Organisation und beliebiger Anpruchsgruppe abbilden, die bei der Kommunikation über Social-Software möglich ist. Es geht hier nur darum, ob ein Dialog stattfindet oder zwischen den Akteuren nur eine Sender-Empfänger-Beziehung besteht. Das Modell bezieht sich auf die Kommunikation über Web 2.0-Instrumente die in der Online-PR zum Einsatz kommen.

Kommunikationsmodell PR 2.0

User 1

Dieser Akteur steht im Dialog mit der Organisation. Das heißt, er empfängt PR-Botschaften und sendet Botschaften, z.B. über die Kommentarfuntion eines Blogs, an die Organisation zurück. Weiterhin steht dieser User mit anderen Akteuren im Dialog. Dieser Dialog, der sich z.B. auf das Kommentar eines anderen Users im eigenem Kommentar in einem Blog bezieht, wird von der Organisation als Feedback emfangen. Bei User 1 wird die starke Vernetzung der Akteure deutlich, die Social-Software-Angebote ausmacht.

User 2

Dieser Akteur hat die Eigenschaften wie User 1. Er nutzt ebenfalls alle Funktionen des Mitmachnetzes und bringt sich dabei selbst durch die Publikation von Content ein. Im Modell steht er noch in einer dialogischen Kommunikationsbeziehung mit einem Akteur (User 3), der selbst keine PR-Botschaften von der Organisation empfängt. Dieser Dialog könnte z.B. in einem privaten Blog stattfinden, in dem über das Unternehmen gesprochen wird.

User 3

Dieser Akteur steht nicht im Dialog mit der Organisation. Sein Wissen über die Organisation bezieht er nicht aus der direkten Kommunikation mit der Organisation sondern aus anderen Quellen. Er ist aktiver Teilnehmer im Web 2.0 und stellt selbst Content z.B. in einem privaten Blog mit Themen zu einer bestimmten Organisation bereit. Somit sendet er lediglich Botschaften zur Organisation, wenn diese seinen Blog mit in das Monitoring einbezogen hat. Dieser Akteur ist stark vernetzt und steht in einer Dialogbeziehung mit anderen Usern (User 2, User 1 auch denkbar).

User 4

Dieser Akteur ist passiver Nutzer der Web 2.0-Angebote. Er empfängt PR-Botschaften von der Organisation und nimmt auch die Dialogkommunikation der anderen Akteure (User 1 und User 3) war. Er ist quasi stiller Beobachter der ganzen Kommunikation im Zusammenhang mit einer Organisation, da er selbst nicht publiziert und sich nicht mit seiner eigenen Meinung einbringt. Die Organisation kann so nicht direkt etwas über seine Meinung zur Organisation erfahren.

Web 2.0 Thesen für die Online-PR

Tim O’Reilly hat im Jahr 2004 Thesen für Web2.0-Anwendungen aufgestellt, die für die Entwicklung von Software und Webangeboten gedacht waren. Werner Bogula hat jetzt diese Thesen auf die Tauglichkeit für die Online-PR überprüft, dabei Umgedeutet und Weiterentwickelt.
Die Originalquelle von O’Reilly sollte in diesem Zusammenhang gelesen werden, um die Umdeutung für die OPR besser zu verstehen.

1. The Long Tail

Mit Nischenangeboten soll die Zielgruppe wirklich durchdrungen werden. Suchmaschinenotimierung, Blog- und Netzwerkmarketing und Keyword-Advertising sind geeignete Instrumente dafür.

2. Date is the Next Intel Inside

Feedbackmöglichkeiten und der Dialog sollten gesucht werden und die gewonnen Daten, das Wissen der Kunden zur Verbesserung des Angebots genutzt werden.

3. Users Add Value

Anspruchsgruppen sollen als Produkttester und Markenbotschafter eingesetzt werden. Es soll ihnen möglich sein an der Arbeit der Unternehmung teil zu haben.

4. Network Effects by Default

Hier geht es im übertragenen Sinne darum, so viel wie möglich über seine Zielgruppe zu erfahren. Auf Webseiten eingegebene Suchbegriffe, Forenbeiträge und Anfragen sollten dafür ausgewertet werden.

5. Some Rights Reserved

Hier kommt das Grundprinzip der PR an sich zum tragen, Content kostenlos für die Weiterverarbeitung zur Verfügung zu stellen.

6. The Perpetual Beta

Hier auf das Image bezogen. Images sind nicht konstant. Diese auf Basis von Nutzererfahrungen anzupassen kann eine Strategie sein, um auf sich ständig wandelnden Märkten einen Schritt voraus zu sein und neue Nutzerbedürfnisse- und interessen anzusprechen.

7. Cooperate, Don’t Control

Die Kontrolle über den Imagebildungsprozess zu behalten ist fast unmöglich. Daher sollte man sich mit einer kooperationsbereiten Nutzerbasis vernetzen, um ein stabiles Image zu sichern.

8. Software Above the Level of a Single Device

PR-Kampagnen sollen Medienübergreifend gestaltet sein.

(vgl. Bogula 2007)

Diese Thesen für die Online-PR kann man in einer Untersuchung von OPR-Instrumenten abprüfen, in wie weit sie von Organisationen in ihrer PR-Arbeit im Internet mit Social-Software schon angewandt oder umgesetzt werden. Für meine Arbeit könnte man diese Thesen auch auf die Kommunikation der Unternehmen mit seinen Anspruchsgruppen beziehen.

Stakeholder-Ansatz und Cluetrain-PR

Nach Thomas Pleil lässt sich die Online-PR in drei Typen unterteilen. Der am weitesten fortgeschrittene ist dabei die Cluetrain-PR. Sie bewegt sich in der Google-Welt, ist geprägt durch die Nutzung von Social Software, den Tools des Web2.0 und dem Einsatz von Web Monitoring. Die Kommunikation ist dialogorientiert und die Vernetzung der Kommunikationspartner, die nicht mehr nur Rezipienten sind, beschreibend für diesen Typ. Hauptziel der PR Anstrengungen ist die Verständigung zwischen den Akteuren und der Aufbau digitaler Reputation. Gekennzeichnet ist sie außerdem durch verstärkte Personalisierung und Offenheit der PR. (vgl. Pleil 2007) Dies ist noch lange nicht Realität in der sich die PR von Organisationen bewegt, aber die Möglichkeiten sind bereits heute gegeben und die Entwicklungen werden in der Praxis in diese Richtung gehen.

Dieser PR Typ lässt sich nach meiner Sicht gut mit dem Stakeholder-Ansatz in Verbindung bringen. Im Mittelpunkt des Ansatzes steht die Kommunikation mit den Anspruchsgruppen. Es geht dabei wie bei der Cluetrain-PR verstärkt um Dialog und Interaktion. Die Organisation soll Institution sein, die versucht die Interessen der Akteuren von Außen mit ihnen aus zu handeln. Leitmotive des Ansatzes sind Transparenz und proaktive Kommunikation. Als Hauptziel kann man die Integration der Organisation in die Gesellschaft und eine Einbindung der Gesellschaft in die Organisation festhalten. Umschreiben lässt sich das auch als die sogenannte soziale Verantwortung von Organisationen. Unternehmenskommunikation wird in diesem Ansatz als Medienkommunikation gesehen. (vgl. Karmasin 2007)

Cluetrain-PR und der Stakeholder-Ansatz sind sich in vielen Teilen ähnlich. Der PR-Typ beschreibt die Situation für die Praxis und der Stakeholder-Ansatz ist die Theorie oder das Paradigma, die für die aktuellen Entwicklungen in der Online-PR steht.
Diese theoretischen Ansichten könnte ich als Grundlage für meine Arbeit aufgreifen und untersuchen.

Theorie

Hier soll sich in Zukunft mit der Theorie zum Thema meiner Diplomarbeit auseinandergesetzt werden.